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Wer Agen­ten­sys­teme in Organ­i­sa­tio­nen ein­führt, geht meist stillschweigend von ein­er Gle­ichung aus: mehr Daten­quellen, mehr Agen­ten, mehr Rechen­leis­tung ergeben bessere Entschei­dun­gen. Eine neue Studie stellt diese Gle­ichung auf die Probe, und zwar in einem Feld, in dem sich jedes Ergeb­nis an Mess­werten über­prüfen lässt.


Die Anordnung

Die Autoren behan­deln Mate­ri­al­daten­banken, Rechen­ver­fahren und Agen­ten­teams wie Mit­glieder ein­er Organ­i­sa­tion. Jedes Mit­glied gibt eine Rang­folge möglich­er Mate­ri­alien ab, eine Stimme in ein­er gemein­samen Entschei­dung darüber, welche Kan­di­dat­en als Näch­stes unter­sucht wer­den. Maßstab ist, wie gut diese Rang­fol­gen zu exper­i­mentell gemesse­nen Eigen­schaften passen, etwa zu Ban­dlück­en. Entschei­dend ist damit nicht, wie viele Stim­men zusam­menkom­men, son­dern ob sie zu den vorhan­de­nen Mess­dat­en passen.

Was die Studie zeigt

Mehr Quellen kön­nen schaden. In ein­er Kam­pagne über sieben Anio­nen-Fam­i­lien schnitt die Zusam­men­führung aller sieben Quellen in der ersten Hälfte des Bud­gets schlechter ab als ein gezielt aus­gewählter Pool aus nur drei Quellen. Der Unter­schied lag bei der Rangübere­in­stim­mung mit den Mess­werten zwis­chen 0,737 und 0,851, wobei 1 die per­fek­te Übere­in­stim­mung wäre. Die Autoren prüften die Sta­bil­ität des Befunds, indem sie den Pool auf der Hälfte der Durch­läufe auswählten und auf der anderen Hälfte testeten. Der Vorteil blieb beste­hen.

Eine dop­pelt gezählte Stimme ist keine zweite Stimme. Zwei Daten­banken aus der­sel­ben Berech­nungspipeline liefern keinen Erken­nt­nis­gewinn gegenüber ein­er einzi­gen. Gewicht gewin­nt eine gemein­same Rang­folge erst, wenn unab­hängige Pipelines zusam­menkom­men.

Neue Berech­nun­gen rech­nen sich nur bei Wiederver­wen­dung. Zusät­zliche Sim­u­la­tio­nen amor­tisieren sich früh nur dann, wenn zwei oder drei Kam­pag­nen sie erneut nutzen.

Agen­ten­teams sind kein Selb­stläufer. Flache Teams aus Sprach­mod­ell-Agen­ten schnit­ten schlechter ab als eine Zufall­sauswahl. Ein adap­tives Team für das Sys­tem Alu­mini­um-Mag­ne­sium-Siliz­ium, das über­wiegend inter­atomare Poten­ziale ein­set­zte, fand in den ersten 25 Prozent des Rechen­bud­gets 49 Prozent der zehn Verbindun­gen mit der niedrig­sten Bil­dungsen­ergie. Feste Teams kamen auf höch­stens 40 Prozent. Das vor­trainierte Poten­zial MACE-MP‑0 allein erre­ichte jedoch 73 Prozent. Der größte Gewinn ent­stand, wenn Agen­ten mit ähn­lichen Rang­fol­gen zusam­menge­führt wur­den.

Eine institutionelle Lesart

Niklas Luh­mann beschreibt in „Organ­i­sa­tion und Entschei­dung” Organ­i­sa­tio­nen als Sys­teme, die sich über Mit­glied­schaft und Entschei­dung­sprämis­sen kon­sti­tu­ieren. Wer dazuge­hört und welche Voraus­set­zun­gen ein­er Entschei­dung zugrunde liegen, wird selb­st entsch­ieden und kann nicht als gegeben gel­ten. In dieser Sprache beant­wortet die Studie eine Mit­glied­schafts­frage: Wer darf mit­stim­men, und unter welch­er Regel? Offen­er Zugang für alle ver­füg­baren Quellen ist keine neu­trale Grun­de­in­stel­lung, son­dern eine Entschei­dung, und im unter­sucht­en Fall eine schlechte.

Dazu passt der Befund zur Unab­hängigkeit. Zwei Stim­men, die aus der­sel­ben Pipeline stam­men, sind organ­i­sa­tion­s­the­o­retisch eine Stimme mit dop­pel­tem Stimm­recht. Auf Agen­ten­sys­teme über­tra­gen stellt sich die Frage, wie unab­hängig mehrere Agen­ten tat­säch­lich sind, wenn sie auf dem­sel­ben Basis­mod­ell oder densel­ben Datenbestän­den auf­set­zen. Diese Über­tra­gung ist eine Arbeit­shy­pothese; die Studie selb­st unter­sucht Rechen­pipelines, keine Unternehmen…

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