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KI-Mod­elle für die Mate­ri­alen­twick­lung liefern überzeu­gende Rezep­turen, die im realen Labor oft scheit­ern. Die Ursachen sind bekan­nt: verz­er­rte Mess­dat­en, fehlende Ver­ar­beitung­shis­to­rie, ignori­erte Ober­flächen, zu viel Ver­trauen in Sprach­mod­elle. Was kön­nen Agen­ten und Mul­ti­a­gen­ten­sys­teme dage­gen tun? Die vor­liegen­den Beispiele zeigen: Agen­ten kön­nen Sim­u­la­tio­nen orchestri­eren, Exper­i­mente geziel­ter auswählen und Prüf­schritte automa­tisieren. Die Frage, ob eine Mes­sung über­haupt stimmt, beant­worten sie nicht von selb­st. Das zeigt der Fall des A‑Lab in Berke­ley, dessen Nature-Veröf­fentlichung nach extern­er Kri­tik kor­rigiert wurde. Entschei­dend wird, wer die Prüfer prüft.


Das Ausgangsproblem

Ein Mod­ell, das auf Labor­dat­en trainiert wurde, ken­nt nur, was in diesen Dat­en ste­ht. In der Mate­ri­alen­twick­lung führt das regelmäßig zu densel­ben Fehlern. Mess­werte wer­den als gesicherte Wahrheit behan­delt, obwohl Kalib­rierung, Proben­vor­bere­itung und Gerä­tee­in­stel­lung sie prä­gen. Die Ver­ar­beitung­shis­to­rie eines Werk­stoffs, also Tem­per­atur, Scherung und Abkühlrate, fehlt im Daten­satz, obwohl sie die Struk­tur verän­dert. Ober­flächen und Gren­zflächen bleiben unberück­sichtigt, obwohl schon die Rauheit das Brand­ver­hal­ten bee­in­flussen kann. Mehr Dat­en gel­ten als Ersatz für Erken­nt­nis. Und Sprach­mod­elle sollen Rezep­turen vorschla­gen, obwohl sie auf sprach­liche Plau­si­bil­ität trainiert sind und nicht auf physikalis­che Kon­sis­tenz.

Das sind keine neuen Ein­sicht­en. Sie haben einen gemein­samen Kern: Das Mod­ell sieht Zahlen, aber nicht die Bedin­gun­gen, unter denen sie ent­standen sind. Die Frage ist, ob sich das mit Agen­ten ein­gren­zen lässt, also mit Sys­te­men, die Auf­gaben selb­st­ständig pla­nen, Werkzeuge aufrufen und sich in Grup­pen spezial­isiert­er Agen­ten die Arbeit teilen.

Ein Lehrstück: das A‑Lab

Im Novem­ber 2023 berichtete ein Team um Ger­brand Ced­er von der Uni­ver­si­ty of Cal­i­for­nia in Berke­ley und dem Lawrence Berke­ley Nation­al Lab­o­ra­to­ry in Nature über das A‑Lab, ein autonomes Labor für die Fes­tkör­per­syn­these anor­gan­is­ch­er Pul­ver. Es kom­binierte Rech­nun­gen, Lit­er­atur­dat­en, maschinelles Ler­nen und aktives Ler­nen und stellte nach Angaben der Autoren in 17 Tagen 41 von 58 vorgegebe­nen Zielverbindun­gen her. Die Rezepte stammten aus Mod­ellen, die auf Lit­er­atur­dat­en trainiert waren, und die Pro­duk­te wur­den per Rönt­gen­beu­gung charak­ter­isiert und automa­tisiert aus­gew­ertet.

Robert Pal­grave, Chemik­er am Uni­ver­si­ty Col­lege Lon­don, und Leslie Schoop von der Uni­ver­sität Prince­ton stell­ten in ein­er Analyse in PRX Ener­gy (2024) die zen­trale Behaup­tung infrage, es seien viele zuvor unbekan­nte Mate­ri­alien syn­thetisiert wor­den. Ced­er hielt dage­gen, diese Analyse sei nicht begutachtet und enthalte mehrere Fehler. Im Jan­u­ar 2026 veröf­fentlichte Nature dann eine Kor­rek­tur der Autoren. Sie räumt ein, dass Bed…

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