Christo­pher Alexan­der stellte 1964 eine unbe­queme Frage: Warum scheit­ert bewusstes Design so ver­lässlich – und warum entste­hen die besten For­men dort, wo nie­mand bewusst gestal­tet?

Seine Antwort trifft die Architek­tur von Agen­ten­sys­te­men ins Mark.

Das Prob­lem ist nicht die Intel­li­genz der Agen­ten. Es ist die Dekom­po­si­tion. Wer Agen­ten nach Funk­tio­nen tren­nt statt nach der realen Inter­de­pen­den­zstruk­tur des Prob­lems, erzeugt Mis­fits an den Schnittstellen – Inkon­gruen­zen, die kein einzel­ner Agent adressiert, weil kein­er sie sieht. Das Ensem­ble ver­sagt; die Agen­ten waren kor­rekt.

Alexan­der zeigt: Kom­plexe Sys­teme brauchen keine besseren Plan­er. Sie brauchen kürzere Feed­back-Schleifen, über­lap­pende Zuständigkeit­en und eine Dekom­po­si­tion­sar­chitek­tur, die der Real­struk­tur des Prob­lems fol­gt – nicht der admin­is­tra­tiv­en Bequem­lichkeit.

Für Mul­ti-Agen­ten-Sys­teme bedeutet das: Der Orches­tra­tor ist nicht die Lösung. Er ist der Flaschen­hals.

Und die Frage, ob ein Agent rege­len­twer­fend oder regelin­tel­li­gent operiert, ist keine Frage sein­er Kon­struk­tion. Sie ist eine Frage sein­er epis­temis­chen Kop­plung mit dem Kon­text – wie direkt er die Mis­fits wahrnehmen kann, auf die er reagieren soll.

Sechzig Jahre nach Notes on the Syn­the­sis of Form ist Alexan­ders Design­the­o­rie aktueller denn je – als Diag­no­se­in­stru­ment für eine Architek­tur­prax­is, die ihre eige­nen Fehler sys­tem­a­tisch repro­duziert.


I. Das Grundproblem: Wer ist der Designer?

Alexan­der schreibt Notes on the Syn­the­sis of Form in dem Moment, in dem der self­con­scious design­er scheit­ert – weil er ver­sucht, ein Ensem­ble zu gestal­ten, das seine kog­ni­tive Kapaz­ität über­steigt. Die Lösung, die er sucht, ist keine bessere Kog­ni­tion, son­dern eine bessere Dekom­po­si­tion­sar­chitek­tur.

Genau hier liegt die Verbindung zur Agen­ten­sys­temgestal­tung: Ein Mul­ti-Agen­ten-Sys­tem ist der Ver­such, das Design­prob­lem zu dis­tribuieren. Statt eines Design­ers, der das Gesamt­sys­tem überblickt, gibt es eine Pop­u­la­tion von Agen­ten, von denen jed­er einen Auss­chnitt des Ensem­bles bear­beit­et. Die Frage, die Alexan­der stellt, ist deshalb unmit­tel­bar anwend­bar: Wie muss diese Dis­tri­b­u­tion struk­turi­ert sein, damit das Gesamt­sys­tem kon­vergiert statt divergiert?


II. Das Dekompositionsproblem – Kern der Agenten-Architektur

Alexan­ders Graph G(M,L)

Alexan­der for­mal­isiert das Design­prob­lem als Graphen: M ist die Menge der Mis­fit-Vari­ablen, L die Menge der Abhängigkeit­en zwis­chen ihnen. Ein gutes Design erfordert, diesen Graphen so in Sub­sys­teme zu zer­legen, dass:

  1. Inner­halb jedes Sub­sys­tems die Vari­ablen stark gekop­pelt sind (viele Links).
  2. Zwis­chen den Sub­sys­te­men die Kop­plung min­i­mal ist (wenige Links).

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