401 Millionen Dollar Umsatz, zwei Vollzeitkräfte, KI als operative Backbone – die New York Times hat Medvi zur Blaupause des AI-Solo-Unicorns erklärt. Die Geschichte stimmt. Nur nicht so, wie sie erzählt wird.
Als die New York Times Medvi vor wenigen als Beweis dafür präsentierte1How A.I. Helped One Man (and His Brother) Build a $1.8 Billion Company, wozu KI-gestützte Gründungen fähig sind, klang das nach einer Zäsur: Ein Unternehmen mit gerade einmal zwei Vollzeitkräften soll im vergangenen Jahr rund 401 Millionen Dollar Umsatz erzielt haben, für 2026 peilt es 1,8 Milliarden an. Die Schlagzeile schrieb sich von selbst. Aber Schlagzeilen sind selektiv – und diese ist es auf eine aufschlussreiche Weise.
Was das Narrativ unsichtbar lässt, ist die eigentliche Infrastruktur, auf der Medvi operiert. Hinter den zwei Vollzeitkräften steht ein Netzwerk aus compounding pharmacies, telemedizinisch zugelassenen Ärzten, Zahlungsabwicklern und regulatorischen Zwischenhändlern. Medvi hat diese Infrastruktur nicht gebaut. Es hat sie koordiniert – und diese Koordination durch KI-gestützte Prozesse auf ein Durchsatzniveau gehoben, das mit konventionellen Strukturen nicht erreichbar gewesen wäre. Das ist real, und es ist bemerkenswert. Aber es beweist etwas anderes als das, was behauptet wird.
Der eigentliche Grund für Medvis Wachstum war kein technologischer, sondern ein regulatorischer. Das Unternehmen operierte im Segment der GLP-1-Telehealth – compounded Semaglutide und Tirzepatide, jene Wirkstoffe, die unter den Markennamen Ozempic, Wegovy und Mounjaro zu Blockbustern ge…
